Globale Umweltpolitik der EU
Fraktionsvorstoss im Rahmen des Vorstoss-Pakets
der SP zur Europapolitik vom
21. Juni 2006, Ursula Wyss als Sprecherin.
1. Der Bundesrat wird aufgefordert, in einem Bericht den Dialog
der Schweiz mit der EU über Fragen der Energie- und
Klimaschutzpolitik darzulegen und darin die Möglichkeiten und
konkrete Massnahmen aufzuzeigen, wie dieser Dialog
systematisiert und intensiviert werden kann, namentlich
- zur
Festlegung gemeinsamer verbindlicher Emissionsziele für
Treibhausgase nach Ablauf des internationalen Kyoto-Protokolls
und den Aufbau eines globalen Handelssystems für
Emissionszertifikate
- zur Einbindung der USA in die globale Klimaschutzpolitik
- zum Aufbau strategischer Partnerschaften mit Ländern wie
China, Südafrika, Brasilien und Indien mit dem Ziel, diese bei
der Entwicklung nachhaltiger Energiestrategien (insbesondere der
Effizienzsteigerung und der Förderung erneuerbarer Energien
sowie des Technologietransfers) zu unterstützen und deren
Aktivitäten um den Abbau von Emissionen zu verstärken
- zur internationalen Koordination der Forschung und Innovation
(sowie der Anwendung) im Bereich nachhaltiger
Energietechnologien und
- zur Erarbeitung eines Regelwerks zur Internalisierung der
externen Kosten (v.a. auch der volkswirtschaftlichen Kosten
aufgrund der Klimaänderung)
- zur Mitwirkung der Schweiz an den Programmen der EU zur
europaweiten Sensibilisierung der Bevölkerung für ein wesentlich
stärkeres direktes Engagement aller Bemühungen, die Emissionen
zu reduzieren, u. a. durch die Bereitstellung ausführlicher
Informationen über den CO2-Gehalt von Produkten und
Dienstleistungen.
Begründung
Die Schweiz ist klimapolitisch gefordert, weil sie nicht nur
Verursacherin, sondern auch Hauptbetroffene der globalen
Klimaerwärmung ist. Die vermehrten meteorologischen
Extremereignisse, die Überschwemmungen, Bergrutsche und die
Verschiebung von Permafrost und Schneefallgrenze bedrohen
insbesondere die Schweizerischen Berggebiete existenziell. Unser
Land hat ein immanentes Interesse, im internationalen Kontext
klimapolitisch aktiv zu sein.
Die Schweiz und die EU verfolgen seit Jahren grundsätzlich die
selben Umweltziele. Die Schweiz als kleines Land hat somit ein
grosses Interesse, den umweltpolitischen Dialog mit der EU zu
intensivieren und zu systematisieren.
In der Klimapolitik besteht das kurzfristige Ziel der EU in der
Umsetzung der Ziele des Kyoto-Protokolls. Längerfristig zielt die
Politik der EU darauf ab, die CO2-Emissionen mit Hilfe eines
wirksamen internationalen Übereinkommens bis 2020 um 20 bis 40% zu
senken. Die EU formulierte zu diesem Zweck 2001 eine globale
Strategie zur Verbesserung der Luftqualität, verabschiedete in der
Folge mehrere Richtlinien und richtete einen Handel mit
Emissionsrechten ein. Die Union bekräftigte mehrfach, dass sie die
im Kyoto-Protokoll eingegangenen Verpflichtungen einhalten will, und
gab wiederholt ihrer Besorgnis Ausdruck, dass einige Länder,
insbesondere die Vereinigten Staaten, die zu den grössten Emittenten
gehören, das Kyoto-Protokoll in Frage stellen.
Die 1990 errichtete Europäische Umweltagentur, der die Schweiz
mit den Bilateralen II ebenfalls beitrat, sammelt und verbreitet
vergleichbare Umweltdaten. Die Agentur entwirft zudem
umweltpolitische Massnahmen, bewertet Auswirkungen umweltpolitischer
Rechtsvorschriften und erwarb so erhebliches politisches Gewicht.
Die EU schuf auch ein Finanzierungsinstrument für die Umwelt (LIFE)
und erliess zahlreiche technische Vorschriften. Am bekanntesten sind
die Umweltzeichen. Hinzu kommen gemeinschaftliche Verfahren für das
Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung, Systeme zur
Bewertung der Auswirkungen öffentlicher und privater Projekte auf
die Umwelt und Kriterien für Umweltprüfungen in den Mitgliedstaaten.
Hinzu kommen Bestrebungen der EU zur Stärkung des
Verursacherprinzips mit Hilfe von Umweltsteuern,
Umweltgesamtrechnungen und freiwilligen Vereinbarungen. |