«Wasserträger der Banken»
Ursula Wyss
in Links.ch,
"Nachgefragt",
Januar 2010
„Der Bundesrat und die Finanzmarktaufsicht haben Tausende
UBS-Kundendaten an die USA ausgehändigt. Dass das widerrechtlich
geschehen ist, war klar und ist jetzt auch vom
Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden. Der Bundesrat, allen
voran Hans-Rudolf Merz, hat versagt und sich zum Wasserträger der
Banken degradieren lassen. Was nun?“
Das Bundesverwaltungsgericht hat klargemacht: die Herausgabe der
UBS-Kundendaten durch die Finma war illegal. Das Gericht hat zudem
festgehalten: es war der Bundesrat, der die Finma angewiesen hat,
illegal zu handeln. Und seit den Enthüllungen der Sonntagspresse
wissen wir: Der Bundesrat wusste damals ganz genau, dass er illegal
handelt. Er fühlte sich in einer Notsituation. Nur getraute er sich
nicht, noch ein weiteres Mal Notrecht für die UBS anzuwenden. Wenige
Monate zuvor hatte er dies schon für die 68-Milliarden-Rettung
getan.
Die Frage, die uns auch ein Jahr danach beschäftigt, ist: wie
konnte es überhaupt so weit kommen, dass sich der Bundesrat in eine
solch verfahrene Situation hinein manövrierte? Ein Grund ist sicher
die Schwäche des Finanzministers. Aber wir müssen uns auch die Macht
der Bankenlobby vergegenwärtigen. Jahrelang ist es dieser gelungen,
Verwaltung und Aufsicht für ihre Interessen zu instrumentalisieren.
Das Parlament hat bereits 1998 die Bankenkommission (EBK, heute
Finanzmarktaufsicht Finma) mit einer verbindlichen Motion
angewiesen, bei den Grossbanken die Eigenkapitalquote anzuheben, um
im Fall einer Krise die möglichen negativen Auswirkungen auf die
Schweizer Volkswirtschaft zu reduzieren. Ein langes Jahrzehnt war
Bundesrat, Verwaltung und Bankenaufsicht jedoch zu schwach, dies
auch durchzusetzen. Seither ist es nicht besser, sondern noch
schlimmer geworden: Seit 2006 wird die Finma von Dr. Eugen Haltiner
präsidiert, der seine gesamte berufliche Laufbahn (seit 1973) für
die UBS, bzw. deren Vorgängerunternehmen SBG, tätig war und als
Frührentner heute noch Monat für Monat eine Rente (von geheimer
Höhe) von der Pensionskasse der UBS bezieht.
Eugen Haltiner durch eine unabhängige und starke Persönlichkeit
zu ersetzen und der Finma mehr Ressourcen und Kompetenzen
zuzugestehen, reicht aber noch nicht. Die Machtposition der
Grossbanken gegenüber dem Bundesrat rührt grundsätzlich daher, dass
die Grossbanken aufgrund ihrer Systemrelevanz eine faktische
Staatsgarantie geniessen. Ohne Gegenleistung tragen wir alle das
Risiko mit. Wenn wir dafür keine Lösung finden, wird der Staat und
damit wir Steuerzahlende auch in der nächsten Krise wieder zu
Geiseln der Grossbanken. |