Von Bern über Kopenhagen in die Zukunft
Text von Ursula Wyss in "sonnenklar",
Oktober 2009
Die EU macht vorwärts mit dem Klimaschutz. Die Mitgliedstaaten
wollen bis in zehn Jahren 30 Prozent CO2 vor allem im Inland
reduzieren. Nicht so die Schweiz: Ginge es nach dem Bundesrat,
könnten auch nach der Revision des CO2-Gesetzes massiv ausländische
Emissionszertifikate gekauft werden.
Sein Land wolle bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 25 Prozent
verringern. Diesen bemerkenswerten Satz sagte Japans
Ministerpräsident Yukio Hatoyama diesen September an der
Klimakonferenz der UNO in New York. Damit hat die Europäische Union
mit Japan erstmals ein Industrieland an ihrer Seite, das einen
ähnlich ambitionierten Klimaschutz verfolgen will. Bisher standen
die EU-Länder mit ihrem Ziel, bis 2020 30 Prozent CO2 zu reduzieren,
alleine da.
Die europäischen Umweltminister verfolgen jetzt das Bestreben,
nebst Japan auch die USA, Russland, Australien und Kanada ins Boot
zu holen. Gelingt dies nicht, wird die Klimakonferenz in Kopenhagen
im Dezember scheitern.
Was tut die Schweiz?
Mit der Revision des CO2-Gesetzes setzt sich der Bundesrat das
Ziel, bis 2020 im Vergleich zu 1990 mindestens 20 Prozent CO2 zu
reduzieren. Falls es der EU gelingt, die anderen klimapolitischen
Hauptakteure für ihr Anliegen zu gewinnen, würde die Schweiz sich
nicht verweigern und ihre Zielwerte ebenfalls auf eine 30 prozentige
Reduktion erhöhen. Für das ehemalige Vorzeigeland in Sachen
Umweltschutz ist das eine bescheidene Zielsetzung.
Der Bundesrat geht mit der CO2-Gesetzesrevision aber hinter seine
eigenen Positionen von diesem Frühjahr zurück.
Im Mai lehnte er das Konzept einer «klimaneutralen Schweiz» von
Wirtschaftsministerin Leuthard und economiesuisse noch ab und
stützte sich auf den Vorschlag von Umweltminister Leuenberger: Drei
Viertel der geplanten Emissionsreduktionen sollen durch Massnahmen
im Inland erfolgen. Diese Massnahmen wären sehr wirkungsvoll, weil
HausbesitzerInnen dank der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe auf
Brennstoffen von 200 Millionen Franken öffentlicher Unterstützung
profitieren könnten.
Sie verschiebt die Lösung ins Ausland
Im nun vorliegenden Revisionsentwurf muss die Schweiz im
Minimalfall lediglich noch 10 Prozent ihrer Klimagase im Inland
reduzieren. Kein anderes Land will so viel ausländische
Emissionszertifikate kaufen. Keines will so wenig Emissionen im
Inland reduzieren. Und das mit gutem Grund, denn Zertifikate müssten
jedes Jahr von Neuem gekauft werden. Sie verursachen somit jährliche
Kosten.
Reduktionen im Inland sind hingegen Investitionen, die für ihre
ganze Lebensdauer Emissionen tief halten: Im Gebäudebereich etwa für
die nächsten 20 bis 30 Jahre. Vor allem schaffen sie aber im Inland
Arbeitsplätze. Davon profitiert längst nicht nur die Bauwirtschaft,
sondern vor allem die Ingenieur- und Technologiebranchen, die den
Werkplatz Schweiz auch in Zukunft krisenfest halten.
Der bundesrätliche Entwurf des CO2-Gesetzes bleibt für das
Parlament also stark verbesserungswürdig. Ansonsten wird das
Schweizer Volk mit der Volksinitiative «Für ein gesundes Klima» von
SP, Grünen und Umweltorganisationen die Vorgaben festlegen. Die
Initiative verlangt eine mindestens 30 prozentige Reduktion im
Inland.
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