Finanzkrise und UBS. Einsetzung einer PUK.
Motion Wyss Ursula.
Votum von Ursula Wyss, 18. März 2010
Die Motion, wie sie Ihnen vorliegt, ist eine gemeinsame Motion der
drei Fraktionen: SP, SVP und Grüne. Entstanden ist sie als Ausweg
aus der verfahrenen Situation zwischen dem Büro des Nationalrats und
dem Büro des Ständerats. Mit dieser Motion, die Ihnen vom Büro mit
9:4 Stimmen zur Annahme empfohlen wird, haben wir jetzt die
Möglichkeit, eine erste inhaltliche Debatte zu führen und den
Grundsatzentscheid über die Einsetzung einer PUK zu fällen. Über das
Verfahren brauchen wir uns hier nicht mehr zu unterhalten. Wir haben
einen, erstens, regelkonformen und, zweitens, effizienten Weg
gefunden, die Diskussion in unserem Rat noch in dieser Session zu
führen, ohne den Ratsbetrieb unnütz zu belasten. Dass der Ständerat
erst in der Sommersession entscheiden will, ist zwar schade, aber so
zu akzeptieren.
Die aktuellen UBS-Schlagzeilen machen klar, dass die Einsetzung
einer PUK an Aktualität nicht verliert, sondern immer
offensichtlicher wird: bis hin zu den exorbitanten Boni ans
verantwortliche Management, die in Zeiten staatlicher Abhängigkeit
und Milliardenverlusten ausbezahlt werden. Bis hin aber auch zur
aktuellen Ankündigung der UBS, sie wolle an der nächsten
Generalversammlung Decharge für die alte Manager-Riege beantragen.
Als wäre nichts gewesen. Ospel, Kurrer, Rohner, all diejenigen,
welche das Debakel zu verantworten haben, an dem der Staat, die
Wirtschaft und die Steuerzahlenden heute noch massiv zu leiden
haben, all denjenigen Verantwortlichen will die UBS jetzt den
Blanko-Check ausstellen, damit sie ja nicht mehr zur Rechenschaft
gezogen werden können.
Meine Damen und Herren, die Finanzbranche, die UBS, haben nicht
viel gelernt aus der Krise. Wir aber haben die politische
Verantwortung, die Lehren aus der Krise zu ziehen. Dafür müssen wir
Transparenz schaffen, hinschauen und die Verantwortlichkeiten
klären. Auf diese Transparenz hat die Öffentlichkeit, haben die
Steuerzahlenden, ein Anrecht.
Bundesrat Merz meinte gestern in der Sendung „Classe Politique“,
man sollte die früheren UBS-Verantwortlichen endlich zur
Rechenschaft ziehen. Und sagt, ich zitiere: „Es ärgert mich, dass
dies bisher noch nicht der Fall gewesen ist.“ Nun, meine Damen und
Herren, es bringt reichlich wenig, vor laufenden Kameras die
Machenschaften des Finanzplatzes zu beklagen, hier, wo wir die
Möglichkeit zum Handeln haben, aber nichts zu tun.
Noch nie musste der Staat – und somit die Steuerzahlerinnen und
Steuerzahler – ein einziges Unternehmen mit über 60 Milliarden
Franken vor dem Untergang retten. Noch nie gab es eine solche
Abhängigkeit zwischen einem Unternehmen und dem Staat, wie das heute
der Fall ist. Durch diese aussergewöhnliche Situation sind massive
institutionelle Mängel zum Vorschein gekommen. Diese
institutionellen Mängel, diese verheerende Abhängigkeit von Staat
und Grossbanken haben uns in die aktuelle Krise geführt. Geführt hat
es zur wiederholten Anwendung von Notrecht und der Aushebelung
demokratischer Prozesse.
Das Parlament hat die oberste Verantwortung, die Vorkommnisse zu
klären und die institutionellen Fehler auszuräumen, und dafür
brauchen wir das stärkste Instrument, die PUK. Die politische
Aufgabe des Parlamentes ist es, dafür zu sorgen, dass unsere
Demokratie funktioniert. Diese Verantwortung können wir aber nur
wahrnehmen, wenn wir auch bereit sind, die Ursachen der grössten
Krise der aktuellen Zeit aufzuarbeiten. Für ein besseres
institutionelles Funktionieren unseres Staates in der Zukunft.
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