Budgetdebatte 2010
Votum von Ursula Wyss, Dezember 2009
Wir haben es nun von bürgerlicher Seite immer wieder gehört: die
finanzpolitischen Lichter sollen so rasch als möglich wieder auf
Sparen gestellt werden. Grundsätzlich ist es richtig – und das ist
ja auch die Vorgabe der Schuldenbremse -, dass wir über die
Konjunkturzyklen hinweg einen ausgeglichenen Staatshaushalt suchen.
Aber das allein darf doch nicht das Cetero Censeo unserer gesamten
politischen Zukunftsherausforderung sein!
Doch genau diesen Verdacht wird man bei den bürgerlichen Rednern
einfach nicht los. Das einzige, was für das Budget 2010 zu zählen
scheint, ist: Einhalten der Schuldenbremse. Und das einzige, was wir
über den Finanzplan 2011-13 wissen, sind die 4,5 Milliarden Franken,
die in dieser Periode gespart werden sollen. Wo aber die
Herausforderungen für die Schweiz in Zukunft liegen, dazu schweigt
der Bundesrat beharrlich.
Dabei wäre es zentral, es würden erstens einmal Investitionen von
laufenden Ausgaben unterschieden. Hier nämlich finden wir das grosse
Handicap einer stur angewandten Schuldenbremse: es gibt Ausgaben,
für die es sinnvoll ist, Schulden zu machen. Jedes Privatunternehmen
finanziert seine Investitionen über Kredite, solange die
Zukunftserträge grösser sind als die geschuldeten Zinsen. Ich wäre
froh, der Bundesrat würde eine solche Differenzierung auch bei den
Staatsausgaben machen. Dann nämlich wäre klar, dass bei der
Infrastruktur, bei der Bildung sowie bei den ökologischen
Investitionen kein Sparen, sondern ein offensives Investieren
angezeigt wäre. – Jetzt wird der Bundespräsident bestimmt antworten, das
geschähe ja, indem bei der BFI-Botschaft ein Wachstum von 6% geplant
sei. Ja, Herr Merz, das ist richtig, aber dann erklären Sie uns doch
bitte auch, wie Sie mit der Aufgabenüberprüfung 50% der jährlich 1,5
Milliarden, sprich: wie Sie jährlich 750 Millionen Franken, im
Departement des Innern sparen wollen?
Das gleiche gilt für die Investitionen in die Infrastruktur: auch
im UVEK sollen weitere 25% der Sparmassnahmen zusammengebracht
werden. Aber auch hier stehen in den nächsten Jahren
Milliarden-Investitionen an. Vernachlässigen wir diese
zukunftsrelevanten Investitionen, hinterlassen wir unseren Kindern
eine verlotterte Infrastruktur, ein Bildungswesen, das sie auf dem
Arbeitsmarkt zu Verlierern macht und eine Umwelt, deren Reparatur
massiv teurer sein wird, als es die Investitionen heute wären. Ein
Wort zur aktuellen Debatte über die Personenfreizügigkeit: Wer heute
befürchtet, dass zu viele hochqualifizierte EU-Bürgerinnen den
Schweizerinnen und Schweizern die Stellen streitig machen, der muss
doch jetzt mit einer Bildungsoffensive antworten. Wie sonst soll
sonst beispielsweise die Arbeitskräftenachfrage des
Gesundheitswesens befriedigt werden?
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