Schweizer Arbeitsplätze dank Erneuerbaren Energien
Rede von Ursula Wyss am Parteitag der SP Schweiz, 17. Oktober 2009
Mit dieser Initiative wollen wir einen Jobmotor in Gang setzen.
Diese Initiative zeigt den Weg aus der Krise. Sie zeigt aber auch
den Weg in eine nachhaltig robuste Wirtschaft, die im grossen Stil
gut qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze schafft.
Wir haben zwar in der ersten Hälfte dieser Legislaturperiode einiges
erreicht:
• Wir haben im Parlament die Teilzweckbindung der CO2-Abgabe für die
Gebäudesanierung geschafft.
• Auf gutem Weg ist auch die neue kostendeckende Einspeisevergütung
(KEV) für die erneuerbaren Energien. Und wenn ich die kostendeckende
Einspeisevergütung nenne, dann muss ich auch gleich etwas zum
„Deckel“ sagen, zu dem wir in einer ursprünglichen Fassung einen
Initiativtext verfasst hatten: Dieser „Deckel“, der die
Solarprojekte auf die lange Wartebank schob und Investitionen
verhinderte, dieser „Deckel“ wird mit allergrösster
Wahrscheinlichkeit vom Parlament noch dieses Jahr auf ein Niveau
angehoben, das auch den blockierten Projekten auf der Warteliste den
Weg zur Verwirklichung öffnet. Dass das möglich war, haben wir einem
unserer Nationalratsmitglieder ganz besonders zu verdanken und das
ist Ruedi Rechsteiner. Er hat über 28 Tausend Unterschriften für die
Petition „Deckel weg“ gesammelt und damit den nötigen Druck
aufgebaut. Merci Ruedi!
Dieser Erfolg ermöglicht es uns hier, einerseits den ganzen
Energiebereich ins Aug zu fassen und nicht nur den Strom und vor
allem, nicht mehr über die notwendigen Mittel diskutieren zu müssen,
sondern die Ziele zu benennen: Nämlich die Verdreifachung des
Anteils erneuerbarer Energien innerhalb der nächsten zwei
Jahr-zehnte, bis 2030. Und damit der Schaffung Tausender gut
qualifizierter Schweizer Arbeitsplätze mit Zukunft. Denn eine
Verdreifachung der erneuerbaren Energien bedeutet: mehr Effizienz
bei den Geräten, treibstoffarme Fahrzeuge, energieproduzierende
Gebäude. Eine Verdreifachung des Anteils erneuerbarer Energien
heisst Innovation und technischer Fortschritt.
Aujourd’hui déjà, les personnes travaillant dans le secteur des
énergies renouvelables (150‘000) sont plus nombreuses que celles
employées dans celui des énergies conventionnelles. Par ailleurs et
malgré la crise, la demande pour une rétribution à prix coûtant des
énergies renouvelables comme pour l’assainissement de bâ-timents ne
cesse de croître. De plus en plus de propriétaires sou-haitent mieux
isoler leur maison parce qu’ils ont réalisé que les économies
d’énergie étaient plus avantageuses que le gaspillage dû aux anciens
systèmes. En d’autres termes et tout court: l’écologie, ça paye.
Das zeigt: die Weichen sind eigentlich richtig gestellt – aber das
Tempo ist zu langsam. Die SP will die Politik dazu verpflichten,
ambitionierte Ziele zu verfolgen, um die technologische Entwicklung
zu beschleunigen. Schlussendlich ist es auch ein Wettstreit, wer die
Technologie als erstes entwickelt und an andere Länder exportieren
kann. Die USA und Deutschland haben diesen Wettstreit bereits
aufgenommen. Wenn die Schweiz an der anlaufenden technischen
Revolution teilhaben will, muss sie jetzt schleunigst vorwärts
machen.
Wir sehen: Bei diesen Auseinandersetzungen um neuste Technologien
geht es nicht um Ideologie. Das zeigt auch die Tatsache, dass
weltweit viele junge und dem Fortschritt verpflichtete Unternehmen,
genauso in diese Richtung gehen wollen. Diejenigen, welche sich an
die Technologien der Vergangenheit klammern, werden untergehen, auch
wenn sie heute leider die Politik noch immer dominieren: Es sind
dies die amerikanischen Autohersteller, die Atom-Lobby, die
AXPO-BKW-ALPIQ-Dinosaurier mit ihren halbherzigen Bekenntnissen zu
den erneuerbaren Energien und ihren nur „viertelherzigen“ zum Thema
Effizienz. Und es ist die auf Energieverschwendung festgelegte
Grossindustrie. Aber auch diese Dinosaurier werden aussterben.
Jetzt kommt die neue Generation: Es sind die Hersteller von
Windturbinen, von Sonnenkraftwerken, von Null-Emissionsfahrzeugen,
von Nanotechnologien, es sind die der Nachhaltigkeit verpflichteten
Dienstleister. In der Schweiz sind das die Oerlikon Solar, Burger
Meyer, 3-S, Sputnik, Schweizer Metallbau A.G., Renggli
Nullenergiehäuser, Migros und COOP, SwissRE und viele, viele
Jungfirmen und Spinoffs unserer Hochschulen. Mit dieser neuen
Generation zusammen wollen wir die Herausforderungen annehmen und
gemeinsam vorankommen.
Wir wollen also wirtschaftliches Wachstum. Und dieses wollen wir vom
Rohstoffverbrauch entkoppeln und zwar radikal. Was wir dafür
brauchen ist intelligentes und ökologieverträgliches Wachstum. Es
geht nicht um Verzicht, sondern um die Verbesserung von Effizienz
und Produktivität. Dabei wollen wir nicht der Askese das Wort zu
reden, das funktioniert nicht und widerspricht der Fortschrittsidee
unserer Partei. Wir brauchen, und das ist unsere Überzeugung, eine
Aufwertung der Innovation, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Es
geht um harte technologische Innovationen, die Gesellschaft und
Umwelt im Blick haben, aber eben auch wirtschaftlichen Erfolg. Wir
wollen nicht Scheininnovationen in lebensfremden Finanzderivaten,
sondern einen neuen Aufbruch und die reale Machbarkeit. Es geht um
das, was wir gemeinhin als gesellschaftlichen Fortschritt
bezeichnen. Die Finanzwirtschaft hat uns in die Krise geführt, die
erneuerbaren Energien führen uns wieder hinaus.
Und darum ist diese Initiative auch nicht einfach eine „grüne“
Initiative. Es ist kein Vorschlag, dass es der Natur einfach ein
bisschen besser geht und schon gar keine Verzichtsinitiative.
Die Initiative fordert eine Energiepolitik, die auch Sozialpolitik
ist.
Plutôt que de dépenser toujours plus d’argent pour importer gaz ou
pétrole, les technicien-ne-s et autres ingénieur-e-s pourront
op-timiser l’efficience énergétique des appareils et des voitures au
point d’envisager que de nouveaux marchés s’ouvrent aux
expor-tations suisses dans ce domaine. Cette initiative peut ainsi
débou-cher sur la création de dizaines de milliers de nouvelles
places de travail. L’exemple allemand est particulièrement parlant:
ces dix dernières années, la production d’énergie solaire a plus que
cen-tuplé, dépassant désormais les 4 milliards de kWh. Le nombre
d’emplois du secteur est passé de 20‘000 à 60‘000. Ce dont il est
question est donc bien une véritable politique économique
socia-liste qui combine la création d’emplois à long terme, la
réduction des coûts et la protection du climat.
Wer, wenn nicht die SP steht für diese Innovationsfähigkeit?! Qui
d’autre que le PS désigne ce pouvoir d’innovation?
Dass unsere Initiative Erfolg haben kann, hat eine Voraussetzung
und darauf will ich am Ende auf jeden Fall noch ganz besonderes
hinweisen. Worüber wir reden ist letztendlich die Wiederentdeckung
der Idee des technischen Fortschritts. Damit ist die Schweiz Ende
des 19. Jahrhunderts zu einer führenden Wirtschaftsnation geworden.
Und damit wollen wir heute die Herausforderungen der 21.
Jahrhunderts annehmen. Unser Land braucht diesen Fortschritt, der
sich am Gemeinwohl und den Bedürfnissen der Menschen, aber heute
eben drängender denn je, auch an den Bedürfnissen der Umwelt
orientiert. Die Innovationsfähigkeit unseres Landes ist die
Voraussetzung dafür, dass wir diese Erfolge erzielen. Und die
Voraussetzung von Innovationsfähigkeit ist Qualifikation. In den
kommenden Jahren werden Tausende Planer, Architektinnen,
Ingenieurinnen und Ingenieure sowie qualifizierte Berufsfachleute
im Handwerk und Gewerbe nötig sein, um diese Innovation im Inland,
aber auch auf dem Exportmarkt voran zu bringen. Gute Umwelt setzt
gute Arbeit voraus. Und übrigens auch guten Lohn.
Das ist die Absicht dieser Initiative: Wohlstand und Arbeitsplätze
mit weniger Energieverbrauch zu realisieren. Zum Nutzen aller.
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