Foto Ursula Wyss

Nationalrätin SP, Ökonomin lic.rer.pol., Ökologin Zö

Home
Schwerpunkte
Vorstösse
Dokumentation
Bilder
Medienbeiträge
Ursula und die SP

 

 
  E-Mail

 

Gleiche politische Rechte - Ungleiche gesellschaftliche Rahmenbedinungen

Referat von Ursula Wyss an der Tagung der Juristinnen Schweiz 19.06.2009


Sehr geehrte Juristinnen

„Erstmals in der Geschichte sind Frauen uneingeschränkt gleichberechtigt – jedenfalls auf dem Papier“ fasst Alice Schwarzer die aktuelle gleichstellungspolitische Lage zusammen. Das Stimmrecht besitzen die Frauen mittlerweile auch in Appenzell Innerhoden, die Verfassung sichert uns seit 1981 die Gleichberechtigung genauso zu, wie seit 1996 das Gleichstellungsgesetz die Umsetzung dieses Grundrechts regelt.

Kaum ein anderes gesellschaftliches Reformvorhaben konnte so viele Erfolge in so kurzer Zeit verbuchen wie die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau.
Den beteiligten Vorkämpferinnen ist die Entwicklung bestimmt zu träge vorgekommen. Wir, die wir den Kampf ums Stimmrecht nur noch aus dem Geschichtsbuch kennen – und für uns gefühlsmässig ungefähr gleich weit zurückliegt wie die Abenteuer des James Cook, wir können das gut nachvollziehen. 40 Jahre sind ein halbes Leben.

Rechtlich sehr viel erreicht

Im Rückblick betrachtet und im Vergleich mit anderen Reformvorhaben, etwa in der Umweltpolitik, ist die Entwicklung jedoch geradezu spektakulär verlaufen. Die gesetzlichen Veränderungen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten dazu geführt, dass die Schweiz heute rechtlich gesehen gleichstellungspolitisch durchaus auf Augenhöhe mit den meisten europäischen Staaten mitreden kann.

Viele Lücken im realen Alltag

Wir gehören damit aber bei weitem nicht zu den Vorbildern der realen, gelebten Gleichstellung:

  • In der Schweiz gilt beispielsweise jede Form von Quote praktisch als Tabu. Ganz anders in Norwegen: Norwegen hat eine gesetzlich verankerte 40 Prozent-Geschlechter-Quote für Verwaltungsräte börsenkotierter Unternehmen eingeführt. Nicht nur der Geschlechter-Gerechtigkeit wegen, sondern der besseren Rendite halber und weil der Staat auf stabilere Unternehmen und somit auch auf eine nachhaltigere Volkswirtschaft setzt.
  • Wir kennen, etwa im Gegensatz zu Schweden, keinen Elternschaftsurlaub, bei dem nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater die Möglichkeit erhält, sich um das Kleinkind zu kümmern.
  • Frauen haben in der Schweizer Arbeitswelt bei der Ausbildung zwar mit den Männern gleichgezogen. Trotzdem verdienen sie, nur weil sie Frauen sind, rund 24% weniger als die Männer (Grafik 1). Das ist nicht nur in stossender Weise ungerecht – es ist aus volkswirtschaftlicher Sicht auch dumm. Denn damit werden Anreize geschaffen, dass sich gut ausgebildete Frauen nach der Geburt von Kindern teilweise oder ganz aus dem Berufsleben verabschieden. Oder dass sie keine Kinder bekommen, wie dies bei 40% der Akademikerinnen der Fall ist. – Und das ist volkswirtschaftlich genauso dumm.
  • Zudem finden sich in der Schweiz junge Frauen nach wie vor vorab in frauen-typischen Berufen, mit kürzerer Ausbildung und somit schlechter Bezahlung, junge Männer in männer-typischen Berufen, mit längerer Ausbildung und somit besserer Bezahlung (Grafik 2).
  • Und nicht zuletzt sind ein Viertel der von Armut betroffenen Haushalte Alleinerziehende. Und das sind in den allermeisten Fällen immer noch Frauen.

Dass unter diesen Umständen 80% der 18- bis 29-jährigen Frauen der Meinung sind, dass die Gleichberechtigung nicht erreicht ist, erstaunt nicht. Auch 60% der gleichaltrigen Männer sehen das so (Shell Jugendstudie 2007).
Damit komme ich zum Kern des Problems der gegenwärtigen Gleichstellungspolitik: Frauen und Männer haben zwar heute in der Schweiz weitgehend dieselben politischen und gesellschaftlichen Rechte, aber ungleiche gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Gleiche Rechte führen nicht zwingend zur Gleichstellung. Die Rechtsgleichheit ist zwar ohne Diskussion zwingend, aber sie führt nicht automatisch dazu, dass die Frauen auch im realen Leben gleichberechtigt sind.
Dies ist einer der Gründe, die dazu führen, dass die Mehrheit der Studierenden heute weiblich ist, die Zahl der Professorinnen aber auf tiefstem Niveau stecken bleibt. Dasselbe gilt bekanntlich auch in den Chefetagen der Privatwirtschaft (Grafik 3).

Situation in politischen Gremien

Heute wollen wir aber den Fokus unseres Interesses auf die Politik legen. „Keine Demokratie ohne Frauen“, so der Titel der heutigen Tagung. - Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Demokratie legitimiert sich als Regierungsform durch die breite Beteiligung der Bevölkerung. Wird ein ganzer Teil der Bevölkerung systematisch von der demokratischen Teilhabe ausgeschlossen, droht der Demokratie Gefahr.
Werfen wir also einen Blick auf die Situation der Frauen in der Schweizer Politik und schauen, wie vollendet unsere Demokratie ist.
Als ich 1989 politisch aktiv wurde, war der Bundesrat gerade wieder zum reinen Männergremium geworden, nachdem die erste Bundesrätin hatte zurücktreten müssen. Die meisten Kantons- und Stadtregierungen waren ebenfalls fast „aseptisch“ frei von weiblicher Beteiligung.
Inzwischen sind drei von sieben Bundesratsmitgliedern weiblich. Im Ständerat und den Kantonsregierungen sitzen Frauen auf einem Fünftel der Sitze, im Nationalrat sind wir rund ein Drittel Frauen. Das sind so viele wie noch nie (Grafik 4).
Seit diesem Frühjahr wird dank Corinne Mauch, SP, mit Zürich die grösste Schweizer Stadt von einer Frau regiert und selbst im Kanton Wallis ist nun dank Ester Waeber-Kalbermatten, SP, die erste Frau in der Kantonsregierung angekommen.

Das mögen wir im historischen Kontext als Siege feiern. Gerade weil wir aber jeden weiblichen Wahlerfolg immer noch als gleichstellungspolitischen Sieg feiern, wissen wir, dass die reale Gleichstellung noch keine Selbstverständlichkeit ist.
Die Demokratie ist in der Schweiz noch nicht vollendet.

Das gleiche gilt auch, wenn wir auf die Wahl- und Abstimmungsbeteiligung von Frauen schauen. Auch diese liegen nach wie vor unter der Beteiligung der Männer. Die Wahlstudien (selects – Swiss Electoral Studies) haben gezeigt, dass sich die Frauen konstant gleich wenig für Politik motivieren lassen. Der Unterschied zwischen dem Anteil der Frauen und demjenigen der Männer, die an der Politik teilnehmen, verkleinert sich nicht. Im Vergleich zu den 90er Jahren ist der Unterschied sogar wieder grösser geworden (Grafik 5): so nahmen 1995 7% weniger Frauen als Männer an den Wahlen teil, während es 2007 wieder 12% weniger Frauen waren. In unseren Nachbarländern wird dieser Unterschied hingegen kleiner. In Deutschland betrug der Unterschied zwischen Frauen und Männern, die bei den letzten Parlamentswahlen teilnahmen, 0,4%.
Weil das Frauenstimmrecht in der Schweiz erst 1971 eingeführt wurde, mag es verständlich sein, dass viele ältere Frauen nicht aktiv an den Wahlen teilnehmen. Das Fatale aber ist, dass sich auch junge Frauen politisch nicht engagieren mögen.
Es gibt sicher verschiedene Gründe, weshalb sich die Frauen weniger für Politik interessieren. Aber sicher ist, es ist kein Naturgesetz und liesse sich mit politischem Willen ändern.
Die Genfer SP-Ständerätin Liliane Maury-Pasquier hatte 2007 im Hinblick auf die nationalen Wahlen darum einen Vorstoss eingereicht, der den Bundesrat aufforderte, eine Kampagne zur politischen Sensibilisierung der Frauen zu lancieren. Am 20. März dieses Jahres 2009 wurde der Vorstoss mit 116 zu 72 Stimmen abgelehnt. (- Die Demokratie in der Schweiz ist noch nicht vollendet ist.)
Wenn wir den Blick noch etwas hinter den Kulissen halten, sehen wir, dass Frauen anders in die Gesellschaft eingebunden sind als Männer und weniger stark an politischen Meinungsbildungsprozessen teilnehmen. So beteiligen sich beispielsweise Männer viel mehr als Frauen an politischen Aktivitäten, wie dem Unterzeichnen einer Initiative, dem Teilnehmen an politischen Versammlungen oder an Demonstrationen.
Wissenschaftler (Bühlmann et al., 2003) haben die Schweizer Nichtwählerinnen und –wähler untersucht und diese in 6 Typen unterteilt: die politisch Desinteressierten, die alternativ Partizipierenden, die Protestierenden, die Inkompetenten, die sozial Isolierten und die Politikverdrossenen. In allen sechs Gruppen liegt der Frauenanteil bei über 50%. Bei den sozial Isolierten, welche gesellschaftlich und insbesondere politisch ausgeschlossen sind, beträgt der Anteil der Frauen sogar 76%.
Wenn wir dann auf die Wahllisten schauen, dann kandidierten bei den Nationalratswahlen 2007 1088 Frauen und 2001 Männer. Der Frauenanteil betrug somit 35% und war damit gleich hoch wie schon bei den Nationalratswahlen 1995, 1999 und 2003.
Den Parteien kommt bei der Kandidatinnen-Auswahl eine zentrale Rolle zu: Wenn wir von einem durchschnittlichen Wert von 35% Kandidatinnen über alle Parteien hinweg reden, dann variiert der Frauenanteil je nach Parteiliste zwischen 13% und 57%. Die Verteilungen sind eindeutig (Grafik 6): Während SP und Grüne je 48% Frauenanteil auf ihren Listen haben, sind es bei der SVP gerade mal 20%.
Und so erstaunt auch wenig, dass die Hälfte der gewählten Nationalrätinnen der SP oder den Grünen angehören – und dies bei einem Viertel aller Mandate (Grafik 7).
Sind SP und Grüne also die demokratischeren Parteien? Ich behaupte ja. Es ist kein Zufall, dass die SVP, mit einem Anteil von 13% gewählter Nationalrätinnen, auch eine Partei mit – um es noch nett zu formulieren – weniger demokratischer Kultur ist.
Wir sehen also: den Parteien kommt eine wichtige Rolle in der demokratischen Vertretung der Frauen zu. - Aber wir wollen hier nicht länger einer parteipolitischen Analyse nachgehen. Wir halten vielmehr fest, dass Frauen in der Schweizer Politik nach wie vor strukturell untervertreten sind, dass die Demokratie auch in der Schweiz noch nicht vollendet ist.

Das ist wohl auch der Grund, warum der Titel der heutigen Veranstaltung „Keine Demokratie ohne Frauen“ auch heute noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Was bleibt zu tun?

Wir alle schwanken bei der Analyse der aktuellen Zustände. Einerseits empfinden wir Genugtuung über das bereits Erreichte und auch Dankbarkeit gegenüber den Vorkämpferinnen. Auf der anderen Seite sehen wir die vielen Lücken und Mängel und den langen Weg bis zur realen, gelebten Gleichstellung, der noch vor uns liegt.

Rechtlich und auch symbolisch hat die Gleichstellung massiv an Zustimmung gewonnen. Doch was ist zu tun, damit Gleichstellung nicht nur in den Programmen der Parteien und den Leitbildern der Unternehmen zu finden ist, sondern dass die bestehenden Lücken zur realen Gleichstellung geschlossen werden?

Der Frauen-Marsch durch die Institutionen ist längst am laufen.
Frauen handeln weiter ausserhalb von Institutionen, werden aber gleichzeitig immer aktiver innerhalb des politischen Systems. Das Repertoire beinhaltet nicht mehr nur protestieren, demonstrieren, boykottieren, oder sich in die eigenen vier Wände zurück ziehen, sondern auch wählen, Regierungsverantwortung übernehmen, mitentscheiden.
Es ist den engagierten Frauen in den Institutionen zu verdanken, dass wir heute einen Mutterschaftsurlaub kennen, dass Vergewaltigung in der Ehe ein Offizialdelikt ist oder dass der Bund seit 2003 die familienergänzende Kinderbetreuung mitfinanziert – und dies auch über 2011 hinaus noch tun wird.
Doch nehmen wir das Beispiel der Kinderbetreuung: Obwohl allein seit 2003 im ganzen Land über 24‘000 neue Kitaplätze entstanden sind, gibt es immer noch eine massiv ungleiche Arbeitsteilung unter berufstätigen Eltern: 80 Prozent der Hausarbeit bei Familien mit Kindern unter 15 Jahren, bei denen beide Elternteile ausser Haus erwerbstätig sind, wird von Frauen erledigt.

Denkmuster aufbrechen

Dies zeigt uns klar und deutlich: Damit die Gleichstellung auch im realen Leben Wirklichkeit wird, müssen die Denkmuster aufgebrochen werden, braucht es einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft, der bisher nur teilweise stattgefunden hat – vielleicht viele Köpfe, aber noch nicht alle Herzen erreicht hat.
Um hier wirklich einen grossen Schritt vorwärts zu kommen, brauchen wir die Männer als Verbündete im Kampf für die Gleichstellung.
Viele Männer haben noch nicht erkannt, dass sie die grossen Profiteure der Gleichstellung sind: Sie haben dank der Gleichstellung heute eher die Möglichkeit das Heranwachsen ihrer Kinder durch eigene Betreuungsarbeit näher miterleben zu können, sie haben die alleinige Verantwortung für die Finanzierung der Familie abgeben dürfen, sie haben heute dank der Gleichstellung eher eine Chance auf Teilzeitarbeit und nicht zuletzt nähert sich auch ihre Lebenserwartung jener der Frauen an.
Diese Vorteile bedeuten aber auch, dass Männer mehr Verantwortung im häuslichen Bereich übernehmen müssen. Und dass sie kein Exklusiv-recht mehr auf traditionelle „Männerdomänen“ erheben können.
Nur: wie schaffen wir hier den Schritt von der rechtlichen Gleichstellung, die in der Bundesverfassung jegliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (Art. 8 Abs. 3 BV) verbietet und der gelebten Gleichstellung?
Das Bundesgericht vertritt bei der Diskriminierung bisher einen symmetrischen Ansatz. Positive Massnahmen, die die Rechte der Männer einschränken, sind nur zulässig, wenn eine formelle gesetzliche Grundlage und ein überwiegendes öffentliches Interesse bestehen. Diese Bedingungen sind in der Regel kaum zu erfüllen. Um eine reale Gleichstellung der Frauen zu erreichen, könnte es aber gerade sinnvoll sein, solche positiven Massnahmen zu ergreifen, auch wenn sie sich kurzfristig für einzelne Männer nachteilig auswirken können. Diese „positive Diskriminierung“ wird damit gerechtfertigt, dass Frauen nur deshalb, weil sie Frauen sind, unter verschiedenen Formen der Diskriminierung immer noch leiden.
Im konkreten Fall bedeutet eine positive Diskriminierung, dass mit gezielten Massnahmen der Untervertretung der Frauen an Entscheidungsstellen in der Politik und der Wirtschaft entgegengewirkt wird. Quoten sind nur ein Beispiel für solche Sondermassnahmen.
Wenn ich von Quoten rede, meine ich dies – wie die Däninnen es vorgemacht haben – sehr unideologisch. Der „third wave feminism“ – die „dritte Welle Feminismus“, der von Amerika nach Europa überzuschwappen beginnt, kann hier Vorbild sein. Feminismus wird pragmatisch verstanden und beinhaltet wenig Ideologie. Die Männer sind nicht die Feinde, sondern die gesellschaftlichen Strukturen – und die gilt es zu bekämpfen; am besten zusammen mit den fortschrittlichen Männern.
Wir sind grundsätzlich gut beraten, wenn wir uns für die nächsten gleichstellungspolitischen Schritte international umschauen und auch vernetzen, denn im gelebten Alltag sind wir gleichstellungspolitisch kein Vorbild.

Internationale Aktivitäten und sozialen Wandel nutzen

Der politische Globalisierungsprozess ist längst zum Motor der Geschlechtergleichstellung geworden. Schliesslich diskutieren wir auch hier aufgrund einer Kampagne der European Womens Lobby. Die Gleichstellungspolitik wird von der UNO, der EU oder dem Europarat sehr aktiv vorangetrieben. Deren Instrumente sind vielfältig: Übereinkommen, Konferenzen, Aktionspläne, Empfehlungen, usw.
Als eines der letzten Ländern der Welt, welches das Frauenstimmrecht eingeführt und das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau ratifiziert hat, hat gerade die Schweiz sehr viel von den internationalen Impulsen und dem sozialen Wandel, der diese auslösten, profitiert.
Zweifellos haben viele Frauen auch vom sozialen Wandel profitieren können: Demokratisierung der Bildung, Expansion des Arbeitsmarktes, Individualisierung des Lebensstils, usw.
Die Erwerbsarbeit von Frauen findet immer mehr Anerkennung, auch als Garantie gegen Risiken wie Scheidung oder Arbeitslosigkeit des Partners. Es geht so weit, dass nicht berufstätige Frauen, inklusive junge Mütter, sich oft verpflichtet fühlen, ihr Hausfrauendasein zu rechtfertigen.
Auch Qualitäten, welche mit Frauen assoziiert werden (Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick, vernetztes Denken usw.) sind heute geschätzt und gesucht. Managerprofile verlangen genau nach solchen Qualitäten.
Fazit: Karrieren sind heute auch für Frauen möglich. Gleichstellung, gelebte Gleichstellung, muss aber mehr sein: mehr Vielfalt und nicht nur mehr vom Selben. Solange also Karrieren für Frauen nur auf Kosten der Familie stattfinden, solange haben wir keine gelebte Gleichstellung. Doppelkarrieren-Paare sind in der Regel kinderlos. 40% der Akademikerinnen haben heute keine Kinder.
Junge Frauen sind also auch heute noch – auch wenn sie dies nicht wahrhaben wollen oder sich dessen einfach nicht bewusst sind – von struktureller Diskriminierung betroffen. An der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird sich die Zukunft der Gleichberechtigung messen. Denn das ist der ganz grosse kritische Punkt in der weiblichen Biografie der heutigen „Alphamädchen“, wie die letztjährige Shell-Jugendstudie die Frauen zwischen 20 und 30 Jahren betitelte. Werden sie Job und Familie vereinbaren können?
Dass sie es wollen, wissen wir aus jeder verlässlichen Befragung – dass sie es können, dafür müssen wir auf die rechtliche Gleichstellung auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufbauen, die eine gelebte Gleichstellung ermöglichen.
Sicher aber steht uns noch ein weiter Weg bevor. Und solange ist die Demokratie noch nicht vollendet.

Anhang (PDF)

 

SP Schweiz

Ursula Wyss im Parlament

Google

ursulawyss.ch
www