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Debatte zur Jugendpolitik

Ursula Wyss im Nationalrat, 19. Dezember 2007

In den Auseinandersetzungen mit jugendpolitischen Anliegen fällt vor allem auf, dass die Öffentlichkeit „die Jugend“ immer erst dann bemerkt, wenn es „Probleme“ mit ihr gibt. Und meistens interessiert die Jugend, wenn sie sich schlagzeilenträchtige Duelle mit der Staatsmacht liefert oder wenn sich Jugendliche gegenseitig die Schädel einschlagen.

Doch bitteschön, was eigentlich berechtigt zur Annahme, die Jugend könnte anders, besser sein als der „Rest der Gesellschaft“. Ein Jugendlicher von zwölf Jahren hat heutzutage in seinem kurzen Leben durchschnittlich rund 14’000 mal Mord und Totschlag erlebt, ungezählte Schlägereien, Quälereien und Vergewaltigungen mitangesehen. Wo? Am Bildschirm, auf Video, in Filmen und Fernsehserien, im Internet und in Computerspielen. Weit über 10'000 Mal hat er oder sie erfahren, dass man vor allem mit Aggression und Gewalt weiter kommt. Wo und wann erfährt schon ein durchschnittlich 12-Jähriger auf ähnlich suggestive Weise, dass eigentlich gelten sollte: „Du sollst nicht töten“! Du sollst nicht quälen, beleidigen und blind zuschlagen? Um es kurz zu machen: Diese Welt, die Erwachsenenwelt, ist randvoll mit Gewalt. Und sie gibt diese Gewalt weiter an ihren Nachwuchs.

Es gilt: Glaubwürdig ist – gerade auch gegenüber den Jugendlichen -, wer die Jugend ohne Wenn und Aber in die Verantwortung für die Probleme der Gesellschaft einbezieht. Soweit so gut: Breit war auch in der heutigen Debatte die Zustimmung zu dieser allgemeinen Forderung, die heute Jungen in die Gestaltung der zukünftigen Welt miteinzubeziehen.

Doch anders sieht es aus, wenn dann diese allgemeinen Forderungen durch konkrete „jugendpolitische“ Anliegen umgesetzt werden sollen. Doch durch Appelle und Sonntagsreden ist der Eindruck, nicht ernst genommen zu werden, nicht zu korrigieren. Wohl aber durch ein effektives Angebot zur Mitwirkung. Schwimmen lernt man im Wasser. Verantwortung durch die Übernahme von Verantwortung. Darum schlagen wir Sozialdemokrat/innen Ihnen in der Motion Fässler und in verschiedenen anderen insbesondere die Förderung der Jugendarbeit, die Unterstützung der gesellschaftlich engagierten Jugendlichen vor. Wir bitten Sie um Annahme dieser Vorstösse.

 

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